Duette aus Waidhofen

„Kunst ist dafür da, dass man nicht immer nur über Sprache kommuniziert“, sagt Magdalena Chowaniec. Sie glaubt daran: Wer sich bewegt, reißt andere mit – nimmt sie auf ein Erlebnis mit, das Grenzen überwindet und stille Gemeinsamkeiten offen legt.

Magdalena Chowaniec, 1983 in Polen geboren, ist Tänzerin, Performerin, Choreografin, Sängerin und Kämpferin. Sie hat Tanz und Performance am staatlichen Ballettgymnasium in Bytom, Polen, und an der A. Bruckner Universität in Linz studiert. Jetzt will sie mit einem Projekt auch die Kleinstadt Waidhofen a/d Ybbs begeistern.

Wenn sie über Tanz und Bewegung spricht, spüren ihre Zuhörer die Leidenschaft, die sie dafür in sich trägt. „Ich möchte Menschen über ihre eigene körperliche Kraft gewinnen – ihnen zeigen, dass freie Bewegung so viel Kraft und Mut gibt.“ Magdalena hat schon an vielen (ausgezeichneten) Projekten mitgewirkt. Sie hat mit Menschen zusammengearbeitet, die sich nicht angenommen fühlen – sei es in einem für sie fremden Land oder auch weil sie sich als Individuen einfach anders fühlen.

„Bewegte Geschichten finden Stadt“, könnte der Titel des Projekts lauten, das Magdalena in Waidhofen initiieren will. Sie möchte Menschen zusammenbringen, die sonst keine Berührungspunkte haben. Im Vordergrund steht der Spaß, die Gemeinschaft, das Gefühl über sich selbst hinauszuwachsen.

Die künstlerische Idee für Waidhofen a/d Ybbs ist die choreographische Arbeit mit Duos, die sich dann am Ende des Prozesses in Form eines performativen Parcours durch die Stadt präsentieren werden. Eine Art bewegtes Theater. „Wir bemühen uns Jugendliche, aber auch Menschen aus anderen Altersgruppen einzubinden“, sagt Magdalena.

Am Samstag, 25. März, wird es ein Casting im Strauß-Saal des Schulzentrums geben, zu dem jeder eingeladen ist, egal welchen Alters oder welcher (ursprünglichen) Herkunft. „Es können alle kommen, die denken, ich will etwas Neues sehen, ich bin neugierig und habe Zeit“, lädt Magdalena ein. Ihr ist wichtig, die Menschen schon beim Casting ein klein wenig kennenzulernen. „Die Menschen, denen ich begegne, ihre Art, ihre Geschichten und die Beziehungen, die zwischen uns entstehen, werden meistens zur Inspiration für meinen choreografischen Prozess.“

Als Magdalena zum ersten Mal Waidhofen besuchte, musste sie an eine Art „Open Air Ausstellung“ denken. „Ich sehe die Stadt als eine schöne Kulisse für die Performance. Ich habe darüber nachgedacht, unterschiedlichste Orte im Stadtzentrum zu bespielen, von sehr öffentlichen Plätzen wie das Ufer der Ybbs oder die Brücken neben dem Schloss, über halb öffentliche Orte wie das Rathaus oder ein Parkhaus, bis hin zu privaten Orten. Jedes Duett soll in einer der Performance angemessenen Umgebung stattfinden“, erklärt Magdalena. Der „Tanz durch die Stadt“ ist für September geplant. Bis dahin gibt es Proben mit den ausgewählten Akteurinnen und Akteure. Mit diesen wird ein Zeitplan für die Arbeit an ihrem Duo erstellt. „Ich möchte den Paaren auf keinen Fall bestimmte Materialien anzuschreiben, sondern ihnen einen Pool an Möglichkeiten anbieten, aus dem sie wählen können“, sagt Magdalena.

Das ganze Umfeld soll von der Energie des Projektes profitieren, wünscht sich das Projektteam. „Es geht darum, Spaß an dem Prozess zu haben, dass man miteinander etwas schaffen kann, was man selbst nie geglaubt hat“, sagt Lisa Schmidt, die das Projekt organisatorisch begleiten wird.

Magdalena will in Waidhofen ein bewegendes Zeichen setzen, das in Beziehung setzt: „Unser Körper ist heutzutage ein gern vergessenes Objekt, das uns durchs Leben trägt, doch dessen sind wir uns oft überhaupt nicht mehr bewusst. Immer mehr geben wir uns alle den Möglichkeiten der heutigen Technologien hin, die uns – anstatt zusammenzubringen – voneinander isolieren.“

Anmeldung für den Casting-Workshop, es werden Termine zwischen 11 und 18 Uhr vergeben, mit Name, Alter und Telefonnummer: duette@waidhofen.at.

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Das Casting für das verbindende und mitreißende Tanz- und Bewegungsprojekt findet am 25. März im Plenkerschulzentrum statt.