Aufbruch in die Moderne

100 Jahr Bürgermeister Plenker

Eva Zankl/Wolfgang Sobotka

Im Jahr 1911 verabschiedete sich der Waidhofner Bürgermeister Theodor Freiherr von Plenker nach einem langen und erfolgreichen Wirken für die Stadt in den Ruhestand. In seiner Zeit als Gemeinderat, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister erlebte die von wirtschaftlicher Stagnation betroffene Stadt einen Entwicklungsschub, der bis heute fort wirkt. Der Niedergang der Kleineisenindustrie im gesamten 19. Jahrhundert hatte für Waidhofen seinen traurigen Höherpunkt mit dem unwirtschaftlichen Puddlingwerk in Kleinhollenstein ereicht, das der Stadt ein finanzielles Desaster und einen riesigen Schuldenberg bescherte. Mit dieser Belastung der Gemeindepolitik trat Plenker 1894 sein Amt an und es zeugt von Plenkers Qualität als Politiker, dass er trotz der Schuldenlage in Waidhofen viele Infrastruktur-Projekte verwirklichte und dabei auch noch die Finanzen der Stadt sanierte.

Die Aufbruchsstimmung der Gründerzeit und der Fortschrittswille Plenkers ermöglichten Waidhofen unter seiner Amtszeit den Bau eines Krankenhauses, eines Elektrizitätswerkes und einer autonomen Wasserversorgung. Die beginnende touristische Bewerbung und die ansteigende Bedeutung als Sommerfrische für Gäste aus der gesamten Monarchie machten auch eine geregelte Abwasserentsorgung nötig, deren Umsetzung von Baron Rothschild finanziell großzügig unterstützt wurde und die Geruchsbelästigung in Waidhofen beseitigte.
Die Gründung der Lehrwerkstätte für das Eisengewerbe und der Bau des Gymnasiums legten den Grundstein für die Schulstadt Waidhofen und zur Beseitigung der Wohnungsnot entwickelte Plenker ein Stadtentwicklungsprogramm, für das heute noch exemplarisch die Vorstadt Leithen steht. Der Musealverein, der ebenfalls in der Amtszeit Freiherr von Plenkers gegründet wurde, würdigt seinen Weitblick durch eine Sonderausstellung, die seine Zeit und sein Wirken dokumentiert.
Angelehnt an das Konzept der Ausstellung sollen neben einer detaillierten biographischen Darstellung von LHStv. Mag. Wolfgang Sobotka in diesem Artikel die einzelnen Projekte, die in dieser Zeit entstanden, in Form der Ausstellungstexte einen Überblick über die Wirkungsperiode von Theodor Freiherr von Plenker geben. 

Biografisches zu Theodor Freiherr von Plenker

Zur Geschichte der Familie Plenker wurde bisher kaum geforscht und so liegen uns auch wenige Daten und Fakten vor. Das Leben Theodor Freiherr von Plenkers ist einigermaßen gut dokumentierbar, über persönliche Eigenschaften und Erlebnisse oder seine Familie haben wir nur spärliche Zeugnisse.

Von seinem Vater, Georg Plenker, kennen wir wenigstens das Geburtsjahr, 1794. Nachdem die Goldene Hochzeit für das Jahr 1881 belegt ist, heiratete er wohl 1831 Anna Jurie, die vermutlich eine Tochter eines Arztes war. Die Familie lebte nach dem persönlichen Bericht der Enkelin Theodor Freiherr von Plenker in Wien. Georg Plenker stand in den Diensten des Staates. Er scheint zuerst als Vizedirektor, ab 1847 als provisorischer Direktor und nach den Unruhen des Revolutionsjahres 1848 als Zentraldirektor der k.k. Tabaktrafiken und Einlösungsämter, auf. Auf Grund seiner Verdienste im Revolutionsjahr 1848, wo er Plünderungen durch die Arbeiter in den Fabriken der Tabakwerke verhindern konnte, wurde er zum Ministerialrat ernannt und im Jahre 1852 verlieh ihm Kaiser Franz Joseph den kaiserlich-österreichischen Orden der Eisernen Krone der III. Klasse. Das war die Voraussetzung, dass er um die Erhebung in den Ritterstand einkommen konnte. Mit 1. März 1853 erhielt Georg Plenker seinen Adelsbrief. Somit hieß er – und damit auch seine Nachkommen beiderlei Geschlechts – Ritter von Plenker.

Nach Angabe der letzten Nachkommin von Theodor Plenker, seiner Enkelin Baroness Gisela Lazzarini, weilten die Eltern Theodor Plenkers im Jahre 1838 zur Sommerfrische in Eisenerz und dort kam Theodor Franz Xaver am 23. September um 5 Uhr morgens zur Welt. Er wurde noch am selben Tag römisch-katholisch getauft, wobei die Taufpatin Franziska Jurie, vermutlich eine Schwester seiner Mutter, war. Dass die Familie wieder nach Wien zurückkehrte bezeugt auch ein Impfzeugnis aus dem Jahre 1839, wo Theodor Plenker eine Pockenschutzimpfung bekam, wobei der unterschriebene Arzt, Dr. Theodor Jurie, sein Großvater sein könnte.

Theodor Plenker besucht zuerst ab 1846 die k.k. Normal-Hauptschule als Privat-schüler, ab 1849 führt ihn das Gymnasium der Schotten in Wien als Schüler, aber bereits 1852 erhält er im März sein erstes Zeugnis des k.k. akademischen Gymnasiums zu Kremsmünster. Er gewöhnt sich offenbar schnell in seine neue Situation ein, war er zum Beginn bei 34 Schülern der 22beste, so ist er in kurzer Zeit bereits der 12. und im Jahre 1853 finden wir ihn mit einem Vorzugszeugnis als den viertbesten in seiner Klasse. In Kremsmünster lernt er auch die italienische Sprache als eine lebende, neben Lateinisch und Griechisch. Seine Benotungen sind durch-wegs sehr gut, ganz gut, recht gut, oftmals auch vorzüglich. In den verbalen Beurtei-lungen heißt es: Er drückt sich klar und präzise aus, hat eine schnelle Auffassung, in Geschichte ist er klar und bestimmt, während in Mathematik teilweise er mehr Gründ¬lichkeit walten lassen könnte. Seine Aufmerksamkeit ist anhaltend, sein Fleiß sehr groß und in den schriftlichen Arbeiten arbeitet er ziemlich sorgfältig. Rundherum also ein Zeugnis eines jungen Mannes, der sehr strukturiert zu sein schein, mit dem nötigen Fleiß und Ehrgeiz ausgestattet, absolviert er seine Gymnasialzeit, die ihn 1854 wieder zurück nach Wien ans Theresianum bringt. Dort zeigen seine Leistungen einen deutlichen Abfall, es tauchen Noten wie genügend, hinlänglich und kaum genügend auf, das zeigt, dass der neuerliche Schulwechsel seinen Tribut forderte. Schlussendlich maturiert Theodor Freiherr von Plenker am 4. Oktober 1856, um sich im Anschluss an der Wiener Universität immatrikulieren zu lassen und Jus zu studieren. Sein Studienbuch beginnt 1856/57 im Wintersemester und endet dort im Sommersemester 1860. Eine ungeheure Fülle von Vorlesungen und Prüfungen werden von ihm in kürzester Zeit absolviert: Philosophie, Geschichte des Römischen Rechts, Alte Geschichte, Österreichische Geschichte, Kirchenrecht, Deutsches Privatrecht, Familien- und Erbrecht, System und Geschichte des Zivilprozess bis zu einer Reihe von Praktika spannt sich der breite Bogen seines Studiums. Drei Staats¬prüfungen legt er ab, die erste am 19. Juli 1858 als Rechtshistorische Staatsprüfung, zwei Jahre später am 23. Juni 1860 die Judizielle Staatsprüfung sogar mit Auszeich¬nung und am 20. Oktober 1860 besteht er seine letzte, die Wissenschaftliche Staats¬prüfung. Anschließend erhält er sein Absolutorium, der Nachweis, dass er die Rechts- und Staatswissenschaftlichen Studien den bestehenden Anordnungen gemäß, vollendet habe. Sein Doktoratsstudium setzt er in Graz an der Karl Franzens-Universität fort, wo er nach Ablegung der Rigorosen am 8. Februar 1862 sein Doktorat erhält.

Schon nach Ablegen seines Absolutoriums meldet sich Theodor Freiherr von Plenker bei der Wiener Advokatenkammer an, dass er bei Dr. Josef Mündel Ritter von Feldberg als Advokaturkonzipient eingetreten ist. Die Kammer bestätigt dies und nimmt ihn in das Advokatenkandidatenverzeichnis noch im selben Jahr am 31. Oktober 1860 auf. Dr. Mündel stellt ihm für seine Zeit, wo er bei ihm als Konzipient gearbeitet hat, ein erstklassiges Zeugnis aus, das ihn als Experten in allen Causen und Einschreitungen bestätigt. Seine Advokatenprüfung legt er schriftlich im Juli 1865 ab und die mündliche am 14. August mit gutem Erfolg, wodurch das Präsidium des k.k. Oberlandesgerichts in Wien ihm seine Befähigung zur Ausübung der Advokatur schriftlich bestätigt. Gleich darauf lässt sich Theodor Freiherr von Plenker beim Oberlandesgericht Wien in die Liste der Verteidiger in Strafsachen aufnehmen. Nach wenigen Jahren ist es nun soweit, dass Dr. Freiherr von Plenker aufs Land ziehen will und eine Advokatur in Waidhofen annimmt. Er bemüht sich, den Eid, um als selbständiger Advokat arbeiten zu können noch vor dem Jahreswechsel 1868 zu 1869 abzuleisten, damit er am 1. Jänner sofort mit der Advokatur in Waidhofen beginnen könne. Erst am 7. Jänner 1869 gelingt es ihm, den Eid beim k.k. Oberlandesgericht abzulegen und nach der Erklärung, seinen Wohnsitz in Waidhofen/Ybbs anzunehmen, wird er in die Liste der niederösterreichischen Advokaten als Advokat mit dem Wohnsitz in Waidhofen/Ybbs eingetragen. Davon wird das Oberlandesgericht, der Kassationshof und das Justizministerium informiert und schlussendlich wird die Niederlassung in der Wiener Zeitung kund gemacht. Damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Dr. Theodor Freiherr von Plenker, der auch für Waidhofen/Ybbs viel Neues bringen wird. Der junge 31jährige Advokat wird neben seinem Beruf zu einer bedeutenden politischen Persönlichkeit im Land Niederösterreich und in der noch jungen Statutarstadt Waidhofen/Ybbs.

Mittlerweile hat Dr. Theodor Freiherr von Plenker geheiratet. Am 19. Jänner 1867 heiratete er die Enkelin des Burgschauspielers Nikolaus Heurteur, Rosa. Plenker und seine Frau dürften bereits im Jahre 1868 Waidhofen erkundet haben und kamen so mit ihrer 10 Monate alten Tochter Rosa nach Waidhofen und zogen in das Reichenauer´sche Haus am Unteren Stadtplatz Nr. 19. Kurz darauf wurde dem Ehepaar Plenker eine zweite Tochter, Ida, geschenkt. Die Plenkers gewöhnten sich in Waidhofen/Ybbs rasch ins gesellschaftliche Leben ein. Sie wurden, neben seiner Tätigkeit als Politiker im Gemeinderat und im Landtage, sehr bald Mitglieder der verschiedensten Vereine. Insbesondere im Casinoverein engagierte sich Frau Rosa Baronin von Plenker in besonderer Art und Weise. Sie war nicht nur Funktionär, sondern sie stand auch aktiv bei den verschiedensten Lustspielen die zum Besten gegeben wurden auf der Bühne und spielte zumeist eine Dame von Rang. Aber auch Köchinnen und anderen Dienstboten verkörperte sie in gelungener Art, wie die Kritiken zu vermerken wussten. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass sie auch ihren Mann, Dr. Theodor Freiherr von Plenker, zum Theaterspiel überreden konnte und so finden wir in den Jahren 1882 bis 1884 Dr. Theodor Freiherr von Plenker ebenso auf den Theaterzetteln des Casinovereins, oftmals an der Seite seiner Frau. 

Überschattet wurden die hoffnungsvollen Jahre in Waidhofen von der Krankheit der Tochter Ida, Freiin von Plenker, die im 23. Lebensjahr am 24. Mai 1892 bereits verstarb. Um ihr Leiden zu lindern fuhr die Familie in den Wintermonaten oftmals in den Süden. Und doch konnte die Krankheit nicht gestoppt werden. Auch der zweiten Tochter Rosa war kein langes Leben beschieden. Kurz verheiratet mit dem Baron Guido Lazzarini gebar sie am 19. November 1900 Zwillinge. Der männliche Zwilling verstarb gleich bei der Geburt und seine Schwester Gisela, Baronin von Lazzarini, war die letzte direkte Nachkommin von Dr. Theodor Freiherr von Plenker, die erst am 7. Juni 1971, nachdem sie lange Jahre im Rollstuhl zugebracht hatte, verstarb. Kurz nach der Geburt verstarb auch die Mutter der Zwillinge, die zweite Tochter Plenkers, Rosa Baronin von Lazzarini. Und nur ein halbes Jahr später, Ende Juni 1901, verschied nach einem Schlaganfall ihr Ehemann, Statthaltereirat, Guido Baron von Lazzarini. Bereits nach dem Tod der Tochter Ida hat Frau Rosa Freiin von Plenker mit dem Theaterspielen aufgehört, sie blieb zwar dem Verein verbunden, doch für öffentliche Auftritte gab es wenig Anlässe, zumal auch das große Haus am Graben 25, welches sie 1871 als Pammersches Gasthaus erwarb, ihre ganze Kraft beanspruchte. Schlussendlich ging auch Rosa Freiin von Plenker nach langem schwerem Leiden ihrem Manne im Tod voraus, sie starb am 4. Jänner 1915. Als Mitglied von mehreren Vereinen, vor allem des Casinovereins, des Männergesangvereins und als Fahnenmutter des Turnvereins, gab es am 6. Jänner 1915 ein großes Begräbnis, wo sich die Bevölkerung Waidhofens von einer großen Frau ihrer Heimat verabschieden konnten. Bürgermeister Plenker blieb auch nach der Zurücklegung seines Mandates als Bürgermeister im Jahre 1911 vielen Ämtern und Funktionen treu. Insbesondere der Sparkasse Waidhofen blieb er als Vor-sitzender des Direktoriums bis kurz vor seinem Tod in besonderer Weise verbunden. Erst am 22. Mai 1919, nachdem auch die Wirren des 1. Weltkrieges vorbei waren, legte er das Amt des Vorsitzenden des Direktoriums der Sparkasse zurück. Ein gutes Jahr später, am 22. September 1920, verstarb Theodor Freiherr von Plenker, der in seinem Testament aus dem Jahre 1918 sein Haus, das heutige Plenkerhaus an der Ecke von Graben und Pocksteinerstraße, sowie einige Wertpapiere seiner Enkelin Gisela Lazzarini vermachte. 

Sein politisches Leben nahm Dr. Plenker zur gleichen Zeit auf, als er als Rechtsan-walt 1869 nach Waidhofen kam. Die Erhebung Waidhofens zur Staturarstadt wurde, nachdem Amstetten endgültig als Bezirkshauptstadt verankert wurde, im Februar 1869 beschlossen, weshalb auch nach nur zweijähriger Periode (normalerweise dauerten die Gemeinderatsperioden drei Jahre) ein neuer Gemeinderat zu wählen war. In kurzer Zeit hatte man den Übergang geschafft, fand die letzte Gemeinderatssitzung des alten Gemeinderates am 15. Juli 1869 statt, so trat der neue Gemeinderat bereits am 23. August 1869 zusammen. Dr. Theodor Freiherr von Plenker wurde neu in den Gemeinderat gewählt und bekleidete zugleich auch die Funktion als dritter Stadtrat. Von diesem Jahr an, 1869 bis zum Jahre 1911, blieb Plenker sowohl als Gemeinderat, Stadtrat, Vizebürgermeister wie auch als Bürger-meister der Gemeinde Waidhofen/Ybbs treu. Lediglich in den Jahren 1887 bis zum Jänner 1891 war Dr. Theodor Freiherr von Plenker im Gemeinderat nicht vertreten. Obwohl es zu Plenkers Zeit Parteien nach unserem heutigen Verständnis nur in Ansätzen gab, schloss sich Theodor Freiherr von Plenker sehr bald dem liberalen Fortschrittsverein an, was sein grundlegendes Verständnis und Wohlmeinung dem Liberalismus gegenüber verdeutlichte. Mit dieser Haltung wurde er auch als Abgeordneter der Städte Waidhofen/Ybbs, Seitenstetten, Amstetten, Ybbs, Scheibbs und St. Pölten in den niederösterreichischen Landtag gewählt. Vom 24. September 1878 bis zum 25. Mai 1884 und wiederum vom 15. September 1884 bis zum 15. September 1890 bekleidete Dr. Theodor Freiherr von Plenker das Mandat eines Abgeordneten im niederösterreichischen Landtag. Er wurde in dieser Periode sogar zum Landesausschuss-Ersatzmitglied vom 14.10.84 bis zum 25.10.90 gewählt, was eine hohe Auszeichnung und Wertschätzung seiner Fähigkeiten und seine Reputation zum Ausdruck brachte. In diesen beiden Perioden war er durchgehend im Schulausschuss und im Gemeindeausschuss tätig. Neben seiner Mitarbeit in einigen Spezialausschüssen, war es vor allem seine Verbindung zum Wahlkreis, die ihn auszeichnete. Die Themen seines Wahlkreises (wie Ybbsregulierungen, Brückenbau, öffentliche Immobilien und vor allem die Finanzierung der Ybbstalbahn) wurden stets offensiv und tatkräftig begleitet. Ausdruck seines großen Engagements war wohl die Überreichung der Ehrenbürgerschaft der Stadtgemeinde Ybbs im Jänner 1890. 

Dass er auch in Waidhofen/Ybbs noch zu seinen Lebzeiten besondere Anerkennung und Auszeichnungen widerfuhr (meist gilt der Prophet im eigenen Land wenig) zeigen die Verleihung des Ritterkreuzes, des Franz-Joseph-Ordens, die ihm im 1897 verliehene Ehrenbürgerschaft, die Benennung einer Straße nach ihm und die anläss¬lich seines 70. Geburtstages erfolgte Bezeichnung eines Brunnens nach seinem Namen. Durch die Benennung des ehemaligen Stadtsaales in „Plenker-Saal“ und durch die heurige Austellung anlässlich der vor 100 Jahren zu Ende gegangenen Bürgermeisterzeit Dr. Theodor Freiherr von Plenkers, möchte die Stadt auch heute ihrem großen Sohn die Referenz erweisen. 

Schon in der Zeit als Gemeinde- und Stadtrat hat Dr. Theodor Freiherr von Plenker wesentlich Anteil am politischen und wirtschaftlichen Geschehen dieser Stadt ge-nommen und dieses auch offensiv gestaltet. Zum Einen galt sein Einsatz dem Abbau der Schulden, jener Schulden, die durch den Kauf und den Betrieb des Puddling¬werks in Klein-Hollenstein herrührten und die den Gestaltungsspielraum der Ge¬meinde wesentlich einengten. Zum anderen war Plenker Neuem gegenüber stets aufgeschlossen. So galt sein Einsatz einer Renovierung des Schwimmbades gleicher¬maßen wie der Errichtung einer Turnhalle, die Errichtung der Ybbstalbahn zog seine Aufmerksamkeit gleichermaßen an wie die verschiedensten infrastrukturel¬len Projekte. Bei Diskussionen, die über das Aufgeben des Gemeindestatuts oder einen richtigen Platz für den Friedhof zu finden, konnte sich Plenker wortgewaltig und mit großem Nachdruck engagieren. Sein besonderes Augenmerk galt der Lehrwerk¬stätte, und der Versuchsanstalt, der damaligen Keimzelle unserer heutigen HTL. Seiner Ära als Bürgermeister gilt diese Ausstellung. All seine Projekte sind auch sehr eng mit seiner Biografie verbunden. 

Stadtplanung und Stadterweiterung

Bürgermeister Theodor Freiherr von Plenker hat sich intensiv mit der Infrastruktur und der Entwicklung der Stadt auseinander gesetzt. Wasserversorgung, Ausgestaltung der Straßen, Situierung des Friedhofes, Einrichtung der Lehrwerkstätte und Versuchsanstalt und viele andere kommunale Projekte sind in seiner Amtszeit entstanden. Von der Notwendigkeit über¬zeugt der Stadt ein Profil zu geben, schuf er wesentliche Grundlagen für die soziale, ökonomische, bildungspolitische und kulturpolitische Entwicklung der Stadt Waidhofen/Ybbs im 20. Jahrhundert. Sein politisches Agieren war stets von Strukturiertheit und Sorgfalt geprägt. Viele Bauten und Über¬legungen gelten bis heute. Bereits in der ersten Sitzung des Gemeinderates vom 12. Oktober 1894 unter seiner Führung kam es zum einstimmigen Beschluss eines neuen Stadtregulierungsplanes, der insbesondere die bis heute gültige Grundstruktur von Straßen und Bauplätzen der Vorstadt Leithen und Wasservorstadt brachte. (Bild 034) Dazu gehörte auch die Neubenennung der Straßen- und Häuserbezeichnungen. Beauftragt wurde Zivilingenieur Johann Schirmen aus St. Pölten, finanziert durch eine großzügige Spende von Baron Rothschild in Höhe von 20.000 Gulden, die für diverse Stadtprojekte herangezogen wurde.


Die Waidhofner Friedhöfe

Schon vor Plenkers Amtszeit hatten die Begräbniszahlen am städtischen Friedhof bei weitem die zulässige Größe überschritten. Plenker berichtet in seinen Erinnerungen, dass diese Tatsache und der Wasser führende Untergrund am Abhang des Buchenberges zu übelriechenden und unzumutbaren hygienischen Bedingungen führten.
Daher beschloss der Gemeinderat, den alten Friedhof Ende 1887 aufzulassen und einen neuen anzulegen. Aus mehreren Varianten wurde der beim „Großen Kreuz“ gelegene Grund der Pfarre Hollenstein gewählt. Wegen schlechter Raumplanung wurde auch dieser Friedhof bald zu klein und musste erweitert werden. Der Bau der Friedhofskapelle entwickelte sich zum politischen Schlachtfeld, da ohne Bauplan und Baugenehmigung gebaut worden war und der schiefe Bau von Plenker mehrmals eingestellt wurde, was aber die christlich-sozialen Gegner nicht daran hinderte weiter zu bauen.
1907 war der alte Friedhof hinter dem Gymnasium so verwildert, dass der Gemeinderat unter Bürgermeister Plenker beschloss, hier eine Parkanlage zu schaffen. Erst 1994 wurde anlässlich des Spatenstichs für den Schillerparktunnel der alte Friedhof noch einmal Gegenstand der Diskussionen. Unter Aufsicht des Bundesdenkmalamtes und unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden die Gebeine unter dem Schillerpark in einer neuen Grablege bestattet. Der Musealverein besitzt heute das Altarbild der alten Friedhofskapelle mit dem Hl. Michael und zwei Aquarelle vom verwilderten Friedhof.

Das Krankenhaus

Seit dem 13. Jahrhundert ist in Waidhofen eine Krankenpflegeanstalt am Stadtrand dokumentiert. Dieses Siechenhaus entsprach am Ende des 19. Jahrhunderts aber nicht mehr den Standards, die man zu dieser Zeit bereits in der Medizin erreicht hatte. Unter Bürgermeister Plenker sollte der Bau eines neuen Krankenhauses in Angriff genommen werden. Dabei entwickelte sich die Standortfrage zum heiß diskutierten Problem. Der von Plenker vorgeschlagene Bauplatz neben dem Friedhof stieß zunächst auf empörte Ablehnung der Ärzte, erwies sich aber schließlich doch als die beste Lösung.
1907 wurde der Beschluss im Gemeinderat gefasst und Architekt Nikolaus von Bukovics mit dem Entwurf der Pläne beauftragt. 428.000 Kronen hatte das Kaiser-Jubiläums-Krankenhaus gekostet, von denen einen Teil großzügige Spender übernahmen, darunter die Rothschilds, Familie Blaimschein, Franz Leithe, Antonie Radler und vor allem die Sparkasse Waidhofen, sowie weitere Bürger. Im Dezember 1910 wurde es mit 60 Betten und einer Geburt am ersten Abend eingeweiht.  Der erste Ordinarius war Dr. Josef Alteneder, der erste Verwaltungsleiter Josef Hierhammer. Mit über 100 Operationen im ersten Betriebsjahr stellte es seine Notwendigkeit schnell unter Beweis.

Die Wasserheilanstalt Werner

Im 18. Jahrhundert hatte Johann Siegmund Hahn in Deutschland die Wasserheilkunde und Hydrotherapie entwickelt, die mit Wickeln, Schwitzkuren und Wassergüssen meist chronische Beschwerden behandelte. Als ausgereifte Kur entwickelte Pfarrer Kneipp die Erkenntnisse Hahns weiter, so dass die Wasserkur bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden ist. Etwa 100 Jahre später initiierte der Notar Theodor Zelinka durch seine Reiseführer den Sommerfrische-Tourismus in Waidhofen. Dazu gehörten auch Kurangebote, wie die Wasserheilanstalt in der Pocksteiner Straße, die 1897 zunächst durch Anton Mühlberger eröffnet und dann von seinem Schwiegersohn Dr. Franz Werner weiter geführt wurde. 

Die Kuranstalt konnte auf viele Heilerfolge hinweisen und behandelte Gäste aus der ganzen Welt, darunter auch Minister und Botschafter. Zu den angebotenen Behandlungen gehörten: Medizinalbäder, Radium-, Sole-, Sauerstoff- und Kohlesäurebäder, sowie Meersalz- und Fichtennadelbäder und die gesamte Palette der Wasserheilverfahren. Auch diätetische Kuren, Elektrotherapie und Inhalationsbehandlungen wurden angeboten. Als förderlich für die Genesung wurden Spaziergänge am Buchenberg empfohlen.
Auch wenn die Wasserheilanstalt inzwischen Geschichte ist, führt das Rehazentrum Buchenbergheim, die Kurtradition Waidhofens weiter und behandelt Patienten auf dem neuesten Stand der Technik.

Stromversorgung und E-Werk

Die mangelnde Beleuchtung in der Nacht wurde für einen aufstrebenden Sommerfrische-Ort wie Waidhofen schnell zum Problem. Nachdem die Firma Ertl Bräu und die Familien Jax und Rothschild eigene kleine E-Werke für Ihre Zwecke errichtet hatten, überlegte auch die Stadt die Errichtung einer modernen Stromversorgung. Erste Pläne zum Bau eines E-Werkes bei der Stadtwehr wurden aber revidiert und der Gemeinderat fasste schließlich den Beschluss, ein Elektrizitätswerk in der Ybbsitzer Straße zu bauen.
Die für den Bau der Zeller Hochbrücke beauftragte Firma Wayss sollte auch diese Bauarbeiten übernehmen, die elektrischen Einrichtungen stammten von der Fa. Ganz & Co. Und für den Hochbau erhielt der heimische Baumeister Deseyve den Zuschlag. Als Bauleiter fungierte der Architekt N. v. Bukovics. Bereits im Dezember 1900 konnte die erste Probebeleuchtung durchgeführt werden. Die Baukosten betrugen insgesamt 647.432 Kronen (ca. 1.882.000 Euro).

Dieser erste Schritt zur Stromversorgung Waidhofens leitete die Entwicklung der Stadt zum kommunalen Stromversorger ein, ein Programm, dem sich die Politik bis heute verpflichtet fühlt. Mit dem Bau des Kraftwerkes Schwellöd wurde 1923 ein weiteres Kraftwerk gebaut. Heute setzen Projekte wie der Neubau des Kraftwerks Schütt und das gerade in Angriff genommene innerstädtische Kraftwerk bei der alten Lehrwerkstätte diese Tradition der Wasserkraftnutzung in Waidhofen fort.

Kanalisierung 

Obwohl unter den Vorgängern von Bürgermeister Plenker bereits erste Maßnahmen zur Entschärfung der Geruchsbelästigung am Schwarzbach unternommen wurden, musste ein groß angelegtes Kanalisierungsprojekt bis zur Amtszeit BGM Plenkers warten. Mit großzügiger finanzieller Unterstützung von Baron Rothschild wurden die Fäkalwasser über Absturzkanäle in die Ybbs oder den Schwarzbach eingeleitet. Baron Rothschild steuerte noch einmal 12.000 Kronen bei, um durch eine Kanalverlängerung den Gestank unterhalb des Schlosses zu beseitigen. 
Im Jahr 1910 waren die einzelnen Stadtteile an das Kanalnetz angeschlossen, das mit einer Länge von 5.928 lfm Kosten von fast 100.000 Kronen verursacht hatte. 

Diese ersten Kanalbauten, die uns heute angesichts geklärter Abwässer und Flüssen mit Trinkwasserqualität primitiv erscheinen, waren in ihrer Zeit der Höchststand der Städteplanung und setzten zu Plenkers Zeit den Maßstab, den Waidhofen auch heute bei der Wasserentsorgung pflegt. Die große Kläranlage in der Wiener Straße, die seit 20 Jahren in Betrieb ist, reinigt täglich zwischen 1800 und 8.800 m3 Abwasser je nach Witterungslage mit einer Reinigungsleistung von 97%. Dazu betreibt die Stadt noch 4 weitere kleinere Kläranlagen, um auch weiter entfernte Siedlungen zu entsorgen.

Wasserversorgung

Seit dem Mittelalter wurde Waidhofen mit Quellwasser aus Röhrenbrunnen versorgt, da das Konglomeratgestein keine Grundwasserbrunnen ermöglichte. Der erste Hinweis auf die Brunnen in der Stadt steht in einem Ratsprotokoll von 1554, wo der Stadtkämmerer beauftragt wurde, einen Vorrat an hölzernen und damit kostspieligen Brunnenröhren anzulegen. Doch trotz des Wasserreichtums am Buchenberg kam es immer wieder zu Beschwerden über die mangelnde Zuleitung in manchen Stadtteilen. Unter Bürgermeister Plenker wurden Reservoirs angelegt, um die Ausschüttung der zwar reichlich vorhandenen aber unzuverlässigen Quellen zu regulieren.
Mit der Errichtung der städtischen Wasserleitung im Jahr 1893 verschwanden die Röhrenbrunnen aus dem Stadtbild und es konnte endlich eine ausreichende Wasserversorgung der Bevölkerung gewährleistet werden.
Heute speisen Dutzende von Quellen nicht nur das Gemeindegebiet von Waidhofen, sondern versorgen auch die umliegenden Gemeinden Kematen, Aschbach und Sonntagberg. Und wie vor einhundert Jahren preisen Tourismusprospekte die hohe Wasserqualität der Stadt.

Brücken

Zwei wichtige Brücken, die bis heute noch wichtige Verbindungen zwischen den einzelnen Stadtteilen sind, wurden in der Amtszeit von BGM Plenker initiiert. 1898 wurde wegen Baufälligkeit die Brücke bei der Zeller Pfarrkirche gesperrt. Der Zeller BGM Alexander Moyses initiierte den Neubau im System Monier und ließ die Brücke auf Anhöhe der Häuser errichten. Da Waidhofen sich aus finanziellen Erwägungen kaum beteiligen konnte, errichteten die Zeller eine Mautschranke für die Erhaltungskosten.

Die Unterzeller Holzbrücke wurde 1903 durch ein Hochwasser beschädigt und durch einen Betonbau ersetzt, der die Gemüter der Waidhofner erregte, da sich der Passant mit einem fensterartigen Durchblick auf Hüfthöhe konfrontiert sah, der den Blick behinderte. In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie durch die neue Brücke ersetzt, die sich in einem leichten Bogen über die Ybbs spannt.
Heute sind die 5 großen Straßenbrücken die Lebensadern zwischen den beiden Stadtteilen Waidhofen und Zell und repräsentieren die Visionen Plenkers für die Zusammenlegung der Gemeinden, die er selbst nicht mehr erleben durfte.

Die Ybbstalbahn

Der ständige Niedergang der Kleineisenindustrie im 19. Jahrhundert hatte die Region um Waidhofen in eine wirtschaftliche Krise gerissen. Eine der Ursachen dafür war sicher die nicht vorhandene Transport-Infrastruktur. Daher gründete der Reichstagsabgeordnete Gottfried Jax, angeregt durch die Eröffnung der Kronprinz Rudolf Bahn 1872 ein „Ybbsthalbahn-Comitee“. Man hoffte für das Obere Ybbstal auf eine ähnlich positive Entwicklung, wie die Anbindung an die Westbahn sie für Waidhofen gebracht hatte.
Tatsächlich wurde schon im Jahr darauf ein Vorprojekt beim k.k. Handelsministerium eingereicht, wegen der schlechten Finanzierung aber nur in Form einer Schmalspurbahn. Der Spatenstich am 1. Juni 1895, wurde im Rahmen eines Volksfestes gefeiert und war mit großen Hoffnungen für die Belebung der Region verbunden. Die Bauarbeiten, die bereits im Mai des Jahres begonnen hatten, machten zügige Fortschritte und man war optimistisch, die Fertigstellung der Teilstrecke Waidhofen-Hollenstein im Sommer 1896 zu erreichen.
Im Mai und Juni 1896 berichtete der „Bote von der Ybbs“ von der Fertigstellung der Strecke und der Anlieferung der ersten Lokomotive in Waidhofen.
Die für Sonntag den 12. Juli festgesetzte Eröffnungsfeier musste wegen technischer Mängel der Lokomotive um drei Tage verschoben werden, wurde dann aber umso mehr gefeiert. Der Tag endete mit einem Festbankett im Hotel „Zum Goldenen Löwen“ in Waidhofen.
Die großen Hoffnungen, die mit dem Bau der Ybbstalbahn verbunden waren, erfüllten sich leider nicht, da die technische und wirtschaftliche Entwicklung über die Region hinweg gegangen war. Alle Gegenmaßnahmen kamen um einige Jahrzehnte zu spät und das Gebiet der niederösterreichischen Eisenwurzen musste sich industriell und wirtschaftlich neu orientieren.

Sommerfrische 

Die Entdeckung der Naturlandschaft durch das aufstrebende Bürgertum des 19. Jahrhunderts führte zur Stadtflucht und Sommeraufenthalten mit Erholungscharakter. Für Waidhofen waren die Touristenbücher des Notars Theodor Zelinka die Initialzündung für den Sommerfrische Tourismus und die dafür nötig werdende Infrastruktur. Mit dem Bau der Bahnlinien, des Elektrizitätswerkes, und der geregelten Kanalisierung und Wasserversorgung waren die Bedingungen für einen florierenden Hotelbetrieb in der Stadt geschaffen. Fotos von der Innenausstattung des Zeller Schlosshotels und Beschreibungen des luxuriösen Angebotes im Goldenen Löwen oder Hotel Inführ vermitteln einen Eindruck, warum Waidhofen sich zum beliebten Sommerfrische-Aufenthalt mit Niveau entwickelte. 

Der Bau der Allee in der Pocksteiner Straße und die Anlage von Spazierwegen am Buchenberg und Schnabelberg durch den Verschönerungsverein boten den Besuchern schattige Wanderwege. Konzerte im Schillerpark und viele Sporteinrichtungen verkürzten die Tage auf angenehme Weise. Die umliegenden Berge wurden Anfang des 20. Jahrhunderts auch als Skigebiet entdeckt und für den Wintertourismus adaptiert.
Nicht wenige Gäste ließen sich auch dauerhaft in Waidhofen nieder und bauten sich prächtige Villen, wie sie heute noch in der Vorstadt Leithen zu sehen sind.
Auch in der Gegenwart setzt Waidhofen auf den Tourismus und hat mit zwei Hotelbetrieben die dafür notwendigen Vorraussetzungen. Die Schönheit der Stadt und das kulturelle und sportliche Angebot locken auch heute noch viele Besucher in die Stadt. 

Die Welt zu Gast in Waidhofen

Die jährlichen Sommerfrische Aufenthalte der Kaiserfamilie in Bad Ischl hatten in der gesamten Monarchie Vorbildwirkung und sogar die wohlhabenden bürgerlichen Familien gingen am Ende des Jahrhunderts in die Sommerfrische. Waidhofen konnte zwar nicht ganz mit den bekanntesten Urlaubsorten mithalten, aber auch hier vermelden die wöchentlich erscheinenden Fremdenlisten die Ankunft bedeutender Persönlichkeiten, die sich vom Beispiel der Familie Rothschild inspirieren ließen. Minister, Bankiers und Industrielle verbrachten ihren Sommer hier und die Damen brachten oft auch ihr Dienst- oder Kindermädchen mit. Nicht weniger als 8 Züge täglich brachten in der Hochsaison die Besucher nach Waidhofen. Auch die Geschäfte in der Stadt hatten sich mit ihrem Warenangebot auf die betuchten Gäste eingestellt und boten Kaviar, Champagner und weitere Delikatessen an. Zur Unterhaltung der verwöhnten Gäste entwickelte sich in Waidhofen ein reiches Kulturangebot mit Konzerten, Theateraufführungen und Vorträgen. 

Casinoverein

Casinogesellschaften entstanden nach den bürgerlichen Revolutionsbewegungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Name geht auf das italienische Wort „casino“ zurück und bedeutet „Spielstätte“. Der Waidhofner Casinoverein verstand sich als Geselligkeitsverein der gehobenen bürgerlichen Schicht und bot mit seinen Theateraufführungen ein reges Kulturprogramm. Neben Konzerten und Theateraufführungen organisierte der Verein aber auch Wohltätigkeits-veranstaltungen. Auch das Ehepaar Plenker engagierte sich aktiv im Casinoverein und besonders Baronin Plenker ist auf den Theaterprogrammen immer wieder als Darstellerin zu lesen. 
Diese Tradition findet heute eine Renaissance im breiten Kulturangebot der Stadt in den diversen Veranstaltungsbetrieben wie Plenkersaal und Kristallsaal im Rothschildschloss. 

MGV 1843

Die Vereine waren zu Plenkers Zeit nicht nur Repräsentanten von Kultur und Gesellschaftsleben sondern durch die Mitgliedschaft vieler Honoratioren der Stadt auch Träger politischer Einstellungen. 1843 wurde der Männergesangsverein als Liedertafel gegründet. Nach den revolutionären Unruhen 1848 zeigten sich aber starke liberale Tendenzen, vertreten durch Persönlichkeiten, die fast alle mit der Gemeindepolitik verbunden waren. Durch die satzungsmäßigen Konzerte war der MGV auch ein wichtiges Element der touristischen Unterhaltung. 
Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert hatte der Verein eine große Nähe zu großdeutschen Strömungen, die sich besonders im Volksliederspiel der „Blühenden Linde“ und dem Festspiel zur 400-Jahr-Feier der Osmanenbefreiung 1932 äußerte. 
Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts gehören der Singgemeinschaft des Männergesangsvereins 1843 auch Frauen an und bereichern die musikalische Bandbreite des Vereins. 

Schützengesellschaft 1514

Die Schützengesellschaft war als ältester Verein Waidhofens durch seine ursprüngliche Funktion im Rahmen der Stadtverteidigung und seine historischen Traditionen immer schon Anziehungspunkt für Persönlichkeiten der Stadt. Die Schützenscheiben des Vereins, die zu besonderen Jubiläen beschossen wurden, glänzen durch bekannte Namen und dokumentieren die gesellschaftlichen Ereignisse der Stadt. Sogar Mitglieder des Kaiserhauses übernahmen den Ehrenschutz für Feste der Schützengesellschaft. 
Heute präsentiert sich der Verein sowohl auf sportlicher Ebene im modernen Schießsport recht erfolgreich durch Landes- und Staatsmeistertitel, hält aber auch an den überlieferten Traditionen mit Schützenfesten und als Gastgeber für Festschießen von anderen Vereinen fest. 

Musealverein

Zwanzig Herren, darunter Bürgermeister Plenker, beschlossen im Jahr 1905 ein Museum zu gründen und mit Unterstützung der Bevölkerung einen wertvollen Sammlungsbestand aufzubauen. Die Flut der gespendeten Exponate überraschte wohl selbst die Gründungsväter und die Veröffentlichung im Boten von der Ybbs überlieferte sie der Nachwelt. Der erste Obmann wurde Eduard Nosko und mit Prof. Josef Forsthuber verwaltete ein engagierter Kustos das Museum. 

1907 zog das Museum in das Haus am Oberen Stadtplatz ein und zeigte seine reichen Schätze. Das Erbe der eisenverarbeitenden Zünfte, die wertvollen Archivalien und Hinterlassenschaften der wohlhabenden Bürgerschaft aus mehreren Jahrhunderten. Aber auch die Arbeitswelt der ärmeren Schichten wurde durch Rauchkuchl, Schmiede und Bauernstube dokumentiert. Daneben verstand sich der Musealverein auch als Gremium für die Erforschung von Geschichte und Brauchtum und Beobachter von kulturellen und architektonischen Entwicklungen.
Auch das 5e Museum und der Musealverein des 21. Jahrhunderts fühlen sich dieser Tradition verpflichtet. Während die Dauerausstellung in moderner Präsentationsform die Geschichte der Stadt anhand herausragender Exponate zeigt, nehmen sich die jährlichen Sonderausstellungen des Musealvereins interessanter Themen Waidhofens an und erarbeiten seit einigen Jahren vor allem die jüngere Geschichte der Stadt.

Gymnasium

Die Unterrealschule in Waidhofen feierte 1902 ihr 50 Jähriges Jubiläum, als dessen Begleiterscheinung sich ein Aktionskomitee zur Gründung einer Oberrealschule bildete. Die Bildungsreform von Unterrichtsminister Graf Thun-Hohenstein entwickelte 1848-1853 die Strukturen, die auch das heutige Bildungssystem noch prägen. Das ursprünglich auf die humanistische Bildung ausgerichtete Gymnasium sollte durch den Schultyp des Realgymnasiums erweitert werden, der seine Gewichtung auf der technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung hatte und damit den Bedürfnissen der Industrie entgegen kam.
Der neue Schultyp brachte auch neue Unterrichtsmethoden. Der Einfluss der Reformpädagogik sollte die Lebensfremdheit der „Paukschulen“ durch eine Erlebnispädagogik ersetzen, die zu praktischem Lernen anregte. Wandtafeln oder Karten dienten im Gruppenunterricht zur visuellen Unterstützung des vom Lehrer erzählten. Dagegen verdeutlichten Anschauungsmodelle komplexere dreidimensionale oder technische Zusammenhänge. (Bild Gymnasium)
Unser Lehrmittelzimmer zeigt Gegenstände aus dem Bestand des Gymnasiums und dokumentiert die Welt des Lernens um 1900. Heute ist das Bundesrealgymnasium Waidhofen eine Schule modernsten Zuschnitts mit 4 verschiedenen Ausbildungsschwerpunkten. Daneben engagiert sich die Schule im Ökologischen Bereich und hat bereits das Umweltzeichen für seine Projekte erhalten.



Familie Rothschild und ihr Wirken

von Eva Zankl 

Vor einigen Jahren erwarb die Stadt Waidhofen von den Bundesforsten das Waidhofner Schloss, in dem bis dahin die Forstfachschule untergebracht war. Damit stellte sich auch die Frage, welchem Zweck das so genannte „Rothschild-Schloss“ zugeführt werden sollte. Für mehr als einhundert Jahre war die alte Burg- und Schlossanlage, die Jahrhunderte lang die Geschicke der Stadt mit prägte als abgeschlossenes Areal dem Bewusstsein der Waidhofner Bevölkerung nahezu entglitten. 
Die Initialzündung für eine neue und intensive Beschäftigung mit dem Bauwerk und seiner Geschichte war der Zuschlag für die Landesausstellung 2007. Der dafür not-wendige Umbau des Schlosses, der durch Architekt Prof. Dr. Hollein erfolgte, führte auch dazu, sich mit den früheren Besitzern, der Familie Rothschild und ihrer Rolle in Waidhofen und Umgebung auseinander zu setzen. 

Aufstieg der Familie Rothschild

Über mehrere Generationen hatten sich die Rothschilds von Frankfurt ausgehend an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in der Finanzwelt Europas einen Namen gemacht und an Einfluss gewonnen. Durch geschickte Bankgeschäfte und Finanztransaktionen hatte die Familie Reichtum und Ansehen erworben. Die fünf Söhne von Mayer Amschel zogen, ausgerüstet mit dem Geschäftssinn ihres Vaters in alle bedeutenden Finanzzentren Europas und errichteten dort Büros. Untereinander vernetzt durch starke Familienbande - die Rothschilds heirateten über Generationen hinweg nur innerhalb der Familie, eine Tatsache, die schließlich auch problematische Auswirkungen zeigen sollte – hatten sie auch ihre geschäftlichen Strukturen durch ein schnelles Kurier- und Transportsystem optimiert. Gemeinsam setzten sie ihr Kapital und ihre Informationsüberlegenheit ein, um Konkurrenten auszuschalten und die Interessen ihrer Familie durch zu setzen. So gelang es den Brüdern in Paris und London schnell, Einfluss auf die Börse und schließlich auch auf die Regierungspolitik ihrer Länder zu gewinnen. 
In Wien ging die Etablierung nur zögerlich voran. Nach der napoleonischen Ära war Österreich mit seinem traditionellen Antisemitismus und Metternichs restriktiver Restaurationspolitik kein guter Boden für Juden. Doch Salomon Rothschild konnte sich als geborener Diplomat unaufdringlich aber konsequent in der Hauptstadt der Habsburgermonarchie sowohl finanziell als auch gesellschaftlich etablieren. Nach 
dem Tode Kaiser Franz I. rettete Salomon durch sein demonstrativ gezeigtes Vertrauen in die Staatspolitik die Kanzlerschaft Metternichs und schuf damit die Grundlage für den weiteren politischen Einfluss seiner Familie in Österreich. 1) 1841 konnte Salomon Rothschild das Bürgerrecht in Wien erlangen und durfte danach Grundbesitz erwerben, was ihn ziemlich bald zu einem der größten Grundbesitzer Österreichs machte. 

Sein Sohn Anselm hatte das wirtschaftliche Fingerspitzengefühl seines Vaters geerbt und machte sich daran, das hinterlassene Vermögen rasch zu vermehren. Besonders die Investitionen ins aufkommende Eisenbahngeschäft, dessen Möglichkeiten er als einer der ersten erkannte, machten die Rothschilds zu einem Faktor, der in der Habsburger-monarchie nicht mehr zu ignorieren war. Dennoch war die Familie in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen noch immer nicht akzeptiert und hatte oft durch antijüdische Reaktionen zu leiden. 
Als Anselm Rothschild schließlich durch Förderung von Fürstin Pauline Metternich Hoffähigkeit erhielt, konnte die Familie als etabliert bezeichnet werden. Besonders Kaiserin Elisabeth pflegte eine enge Freundschaft mit den hoch gebildeten Rothschild-Frauen. 

Die Rothschilds im Mostviertel

Albert von Rothschild 
Als Anselm 1874 starb hinterließ er seinen Söhnen Albert, Ferdinand und Nathaniel ein riesiges Vermögen. Albert übernahm die Bankgeschäfte als Haupterbe , doch musste er nicht mehr um Akzeptanz kämpfen und so konnte die Familie in der Zeit des Fin de Siecle ihren gesellschaftlichen Status und ihr Vermögen dazu nutzen als Gastgeber und Wohltäter von sich reden zu machen. 
Als Bankier nahm Albert Rothschild entscheidenden Einfluss auf Regierung und Industrie in Österreich. Vor allem betätigte er sich erfolgreich bei Finanztransaktionen in Ungarn. 
Geboren am 29. Oktober 1844 war Albert von Rothschild seit 1876 verheiratet mit Bettina Caroline, der Tochter von Mayer Alphonse und Leonora de Rothschild, also seiner Cousine ersten Grades aus dem französischen Zweig . Die beiden hatten sieben Kinder, von denen sechs das Kindesalter überlebten. 
Albert Freiherr von Rothschild war ein Mann mit vielen Interessen. Als Kunstfreund, der sein eigenes Palais mit Schätzen der europäischen Kunst geschmückt hatte, war er von der Regierung in das Kuratorium des österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien berufen worden. Außerdem war er ein passionierter Jäger und begeisterter Photograph. Er liebte das Schachspiel und war doch gleichzeitig ein eifriger Sportler. Für seine Verdienste um das Kaiserreich bekam er am 5. August 1893 nach dem Leopolds-Orden und dem Orden der Eisernen Krone 3. Klasse auch den Orden der Eisernen Krone 1. Klasse überreicht. 3) 
In Waidhofen hinterließ sein Wirken ein umgestaltetes Schloss und viele technische Neuerungen, für die Energieversorgung des Besitzes (E-Werk im Schlosspark). 
Gemeinsam mit seiner Frau war der Baron gemäß den jüdischen Traditionen ein sehr wohltätiger Mensch, der im Laufe seines Lebens ca. 38 Millionen Kronen für soziale Belange spendete. So verwundert es nicht, dass Albert Ehrenbürger Waidhofens war. 4) Im Februar 1911 verstarb Freiherr von Rothschild in Wien an Herzschwäche. 

Louis von Rothschild

Geboren 1882 war er eines von 7 Kindern von Albert und Bettina und übernahm nach dem Tod seines Vaters im Alter von 29 Jahren das Wiener Familienimperium, während sein Bruder Alphonse die Langauer Besitzungen erhielt und als Erbe seines Onkels Nathaniel der Besitzer einer großartigen Kunstsammlung wurde. Zu Louis Erbe gehörte auch die Waidhofner Domäne mit dem Schloss in Waidhofen. 
Louis galt als brillanter Kopf mit stoischer Gemütsruhe aber auch distanzierter Zurück-gezogenheit. Da seine beiden verbliebenen Brüder (ein weiterer hatte sich das Leben genommen und ein anderer war psychisch krank) keine Söhne hatten, war Louis das letzte Oberhaupt der österreichischen Linie. Gut aussehend und als leidenschaftlicher Polospieler und Jäger durchtrainiert, war er auch bei den Damen beliebt. 
Seine stoische Art half ihm wohl, schwierige politische und wirtschaftliche Zeiten zu managen. Der Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 band auch die Rothschilds an den übrig gebliebenen Rest und bewirkte damit eine Minderung des Firmenvermögens. So rettete Louis als Chef der Creditanstalt im Jahr 1929 die marode angeschlossene Bodencreditanstalt und brachte sowohl Bank als auch Familie an den Rand des Ruins. Auch wenn schlimmere Folgen durch das Zusammenwirken aller Familienzweige in England und Frankreich verhindert wurden, waren diese Transaktionen eine große Belastung für die Reserven aller Rothschildzweige in Europa. 5) 

Kaum war die Krise der zwanziger Jahre überwunden, zeigten sich am Horizont bereits die Bedrohungen der NS- Herrschaft. Trotz vielfältiger Warnungen blieb Louis in Wien. Möglicherweise befürchtete er durch seine bedeutende Stellung keine Gefahr für sein persönliches Wohl, oder er fühlte sich dem eigenen Land verpflichtet, dem er durch seine Abreise ein weiteres Signal für die bevorstehende Auflösung geben würde. Bereits im März 1938 wurde Louis Rothschild von der Gestapo verhaftet und verhört. Göring und schließlich Himmler zeigten Interesse an dem reichen Bankier und verlangten für seine Freilassung die Übertragung der Witkowitzer Eisenhüttenwerke in der Tschechoslowakei. 

Aber Louis hatte bereits in den Jahren 1936-37 das Eigentum an den Werken nach Großbritannien überschrieben, dabei aber die Kontrolle seiner Familie garantiert. So blieb den deutschen Machthabern keine andere Möglichkeit als die Bedingungen der Familie Rothschild zu akzeptieren, nämlich Louis freizulassen und für die Werke 3 Millionen Pfund Sterling zu bezahlen. Der ausbrechende Krieg verhinderte aber die Transaktion und die Rothschilds wurden nach 1946 für die Werke entschädigt. 6) 

Louis (im Bild links oben) ging zunächst in die Schweiz und anschließend nach Amerika, wo er sich auf einer Farm in Vermont niederließ und Hilda von Auersperg heiratete. 1946 kam er nach Österreich und vermachte seinen gesamten von den Nazis enteigneten Besitz dem österreichischen Staat. Dieser wandelte den Besitz in einen Pensionsfond um und versorgte die ehemaligen Rothschild-Arbeiter mit der gleichen Pension wie die Staatsbeamten. 
Louis verstarb im Januar 1955 beim Schwimmen in der Karibik und wurde auf seinen Wunsch in Wien beerdigt. 

Alphonse von Rothschild 

Obwohl Louis’ älterer Bruder Alphonse (im Bild sitzend) an der Fortführung der Firmengeschicke der Rothschilds weniger beteiligt war, soll er doch im Rahmen dieser Dokumentation angeführt werden als Erbe der Gaminger und Langauer Domänen. Sein Vater Albert hatte Louis zum Chef des Hauses gemacht, wohl, weil sich bei ihm schon früh die Fähigkeiten erkennen ließen, mit denen er die Firma durch zwei Weltkriege und Wirtschaftskrisen führen konnte. Alphonse, der mit Clarice Sebag-Montefiore verheiratet war und einen Sohn und zwei Töchter mit ihr hatte, führte das Leben eines Gelehrten und Landedelmannes. Er verwaltete seine riesige Kunstsammlung und seine Domänen in Gaming. Besonders dort zeichnete er sich durch die soziale Fürsorge für seine Arbeiter aus und der Name Rothschild hat heute noch einen guten Klang in der Langau. 

Alphonse erkannte schon bald die aufziehenden gefährlichen Zeiten, die sich durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland auch für Österreich abzeich-neten. Daher beschloss er, seine Kunstsammlung in die Schweiz und seine Familie in Sicherheit zu bringen. Doch die sich überstürzenden Ereignisse verhinderten die Ausfuhr der Sammlung und die Familie schaffte es nur knapp, der Gestapo zu entkommen. Eltern und Kinder trafen sich zunächst in der Schweiz, wo der einzige Sohn von Alphonse im Internat war, dort aber bereits Ende 1938 an Blutvergiftung starb. Danach begann eine Odyssee über England, New York und Kanada, bis die Familie sich schließlich 1941 in Bar Harbour in Maine niederlassen konnte. Die Schicksalsschläge hatten Alphonse offen-sichtlich aber so sehr mitgenommen, dass er 1942 im neuen Exil starb. Erst in den fünfziger Jahre kam seine Frau nach Österreich zurück und noch später seine Tochter Bettina Looram-Rothschild, die sich in Langau niederließ.  

Die Rothschilds als Grundbesitzer

Mit dem Kauf der Domänen Waidhofen und Gaming mit einem Flächenareal von 31.000 ha wurden die Rothschilds 1875 schließlich auch die größten Grundbesitzer in Niederösterreich. Zu den umfangreichen Besitzungen gehörten das große Gebiet um den Dürrenstein und Langau mit dem heute noch unzugänglichen Urwald, sowie der gesamte Königsberg und das gegenüberliegende Gamsstein- und Voralpegebiet in Hollenstein. Auch um Waidhofen gehörten das Forstgebiet Atschreith, das heute noch vom ehemaligen Jagdhaus dominiert wird und ein Revier im Redtenbach und unterhalb der Spindeleben zum Rothschildschen Besitz. 

Der Grundbesitz, der hauptsächlich aus Wald bestand, wurde durch die Rothschildsche Forstverwaltung, deren Sitz Waidhofen war, komplett neu strukturiert. Der frühere Eigentümer, die deutsche forstliche Aktiengesellschaft hatte bei der Bewirtschaftung der Gebiete große Verluste eingefahren, weil sie sich auf Ertragsaufzeichnungen vom Anfang des 19. Jahrhunderts verlassen hatte. Große Schlägerungsmengen, die aufwändig und teuer Richtung Donau zu den Dampfsägen geflößt wurden, hatten den Bestand ständig verkleinert. Die Hoffnung, dass sich der Bestand auf natürliche Weise verjüngen würde ging nicht auf und diese Unkenntnis über forstwirtschaftliche Bedingungen im Hoch-gebirge brachte die Aktiengesellschaft bald in finanzielle Schwierigkeiten. 

Baron Albert von Rothschild gab deshalb zuerst eine Bestands- und Ertragserhebung in Auftrag, ohne die eine sinnvolle Nutzung mit Augenmerk auf Nachhaltigkeit kaum möglich war. Als festgestellt wurde, dass die Erträge zu niedrig waren, um Transport und Auslastung der Sägewerke finanziell lohnenswert zu machen, löste er die Strukturen auf. Das Amstettener Sägewerk wurde geschlossen und das Pöchlarner Werk nur noch mit dem Holz aus der Gaminger Region versorgt, wobei sogar eine eigene Waldbahn gebaut wurde, um das Holz von Langau nach Lunz zu transportieren. Der Ertrag aus den Waidhofner Besitzungen wurde nur noch von hiesigen Sägen verarbeitet oder als Brennholz in der Stadt verkauft. Die Hollensteiner Forste wurden zur Gänze geschont, da sie ohnehin zu stark überschlägert waren. 

Die Gesamtadministration erfolgte von Waidhofen aus, wobei der Amtsdirektor 59 Beamte und Forstangestellte in den verschiedenen Forstämtern, sowie 700 Arbeiter unter sich hatte. Für diese Arbeiter und Angestellten sorgte die Familie in vorbildlicher Weise: 
Die Sägearbeiter in Pöchlarn hatten eine eigene Pensionskasse, während die Wald-arbeiter ihre eigene Bruderlade selbst verwalteten. In Langau wurden den Arbeitern Wohnhäuser zur Verfügung gestellt die ihnen auch eine kleine Viehhaltung ermöglichten. Außerdem wurden zentrale Lebensmitteldepots eingerichtet, die den Arbeitern die Waren zum Selbstkostenpreis verkauften. Es verwundert also nicht, dass die Rothschild-schen Bediensteten um ihre guten Arbeitsbedingungen beneidet wurden. 

Da der Gutsherr auch ein begeisterter Jäger war, war ihm natürlich auch die Erhaltung eines guten Rotwildbestandes ein Anliegen. Durch Aufstellen von Wildzäunen und eine konsequente Winterfütterung verbesserte sich innerhalb weniger Jahre der Bestand spürbar. 

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass sich die Rothschildschen Domänen durch eine schonende und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bewirtschaftung aus-zeichneten. Die großen Finanzreserven der Familie erlaubten dieses Vorgehen, das auf eine rücksichtslose Ausbeutung der vorhandenen Ressourcen verzichten konnte. 

Schloss Waidhofen und weitere Bauten im Mostviertel

Freiherr Albert von Rothschild initiierte mit dem Kauf der Domänen Gaming und Waid-hofen eine rege Bautätigkeit. Schon kurz nach dem Kauf wurde das Schloss in Waidhofen vom Dombaumeister Friedrich von Schmidt im neugotischen Stil umgebaut und das angrenzende Stöcklgebäude dazugebaut. 

Das Schloss hatte im Lauf seiner Geschichte schon viele Veränderungen, Zubauten und Neuerungen erlebt. Aus dem ersten Kern der Stadt, den das „forum“ bildete und als Ergänzung der Burg in Konradsheim diente, war nach der Zerstörung dieser Burg ab 1365 das Schloss 
Waidhofen geworden. Die kleine Burg wurde zu einem großen Gebäude mit 40 m Länge und ybbs-seitig vier Stockwerken ausgebaut. Der Bergfried, der durch seine Schrägstellung zum Schloss seinen Entwurf offensichtlich vor dem Umbau durch Bischof Berthold von Wehingen um 1400 hat, scheint über mehrere Bauphasen hinweg entstanden zu sein. 10) 
Nach den beiden verheerenden Bränden 1515 und 1571, die das Schloss schwer beschädigten, erfolgten weiteren Umbauten. Vor allem aus dem zweiten Brand, der durch einen Schuss auf das Dach ausgebrochen war, zog man die Lehre, das Dach mit Ziegeln zu decken, statt mit Holzschindeln. Diese Umbauten dürften sich angesichts der instabilen politischen Lage durch Reformation und Bauern-kriege verzögert und bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts gedauert haben. 
Nach der Auflösung der Grundherrschaft Freisings über Waidhofen verfiel das Schloss zunehmend, wie der Absturz der Burgkapelle in die Ybbs in jener Zeit belegt. Eine not-wendige Reparatur am Turm 1869 ging einher mit dem Abriss des spitzen Daches und ließ das heutige Aussehen des Turmes mit Zinnenkranz entstehen. 11) 
Als Albert von Rothschild das Schloss 1875 erwarb ließ er schon einige Jahre darauf den Umbau durch den Dombaumeister der Bauhütte St. Stephan in Wien Friedrich von Schmidt ausführen. Schmidt hatte sich seit den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts einen Namen als Restaurator mittelalterlicher Burgen und Baumeister neugotischer Bauwerke, wie die Wiener Votivkirche und das Rathaus gemacht und war deshalb wohl von Baron Rothschild beauftragt worden. Die Arbeiten konzentrierten sich auf den Ausbau des Innenhofes und die Errichtung des Stöckl-Gebäudes, wobei die Entwürfe Schmidts zeigen, dass nicht alle Bauten in der von ihm geplanten Form ausgeführt wurden. Offensichtlich hatten die Bauherren auch ihre eigenen Vorstellungen, die sie mit einbrachten. So berichtet zum Beispiel Hierhammer von einer Episode, bei der Baronin Rothschild die Kerkergewölbe im Untergeschoss des Bergfrieds besichtigte und angesichts der dort vorgefundenen Skelettreste befahl, diese Kellergewölbe zuzuschütten. Die Innenausbauten beschränkten sich auf den Ausbau der vorhandenen Substanz. 1890 wurde der Umbau des Schlosses durch den Bau der neuen Schlossbrücke beendet. 

Als Louis Rothschild 1911 das Schloss übernahm, ließ er es komplett neu mit französischen Möbeln umgestalten und machte es zu einem eleganten Domizil, in dem auch wertvolle Kunstobjekte ihren Platz fanden. 
Das Schloss diente nicht nur als Wohnresidenz der Familie bei ihren Besuchen in Waidhofen, sondern auch als Zentrale der Forstverwaltung. Der Schlosspark wurde dabei umgestaltet, die Schwarzbachfront wurde mit einem E-Werk zur Versorgung des Schlosses aufgerüstet und ybbsseitig ein Spazierweg angelegt. 
Angrenzend an seine Besitzungen am Hochseeberg ließ Baron Albert 1905 vom Architekten Carlo von Boog eine stattliche Jagdvilla in Atschreith bauen, der noch diverse Wirtschaftsgebäude und Wohnhäuser für die Angestellten folgten. Wie alle Rothschildschen Besitzungen wechselte auch dieses Haus in der NS-Zeit den Eigentümer und wurde als pompöses Gästehaus für NS-Größen genutzt. 
Heute gehört die Villa der Unternehmerfamilie Umdasch, die die Jagdgebiete am Rabenstadl zur Erholung und Geschäftseinladungen nutzt. 
Es war ebenfalls Carlo von Boog, der für den schwer behinderten Sohn von Albert und Bettina einen eigenen Pavillon in der Nervenheilanstalt Mauer entwarf. Der Pavillon war ein Glanzstück im Parkgelände der Anstalt, wurde aber im Jahr 1975 leider abgebrochen. 
Ein ebensolches Zeugnis der eifrigen Bautätigkeit des Baron war das Jagdhaus im Steinbachtal bei Göstling. Wie ein verwunschenes Schloss wirkte das Haus am Ende des abgelegenen Tales mit seinem Fachwerk und den Türmchen. Leider brannte das Haus vor wenigen Jahren ab. 

Ein weiteres Jagdhaus findet man in Hollenstein am Eingang zum Taleinschnitt der die Rothschild-Besitzungen am Königsberg und auf der Voralpe voneinander trennte. Die heutige Fachschule Unterleiten war als Herrenhaus seit 1648 unter dem Namen „Unter der Leuthen“ bekannt und hatte vorher viele prominente Besitzer. Der Großzerennhammermeister Bernhard von Scheuchenstuhl war einer von ihnen. Auch die Prinzessin Hohenlohe-Waldenburg war Eigentümerin des Hauses bevor Albert von Rothschild das Haus mit seinen Domänen Ende des 19. Jahrhunderts erwarb. Während der Wirtschaftskrise und der Rettungsaktion für die Bodencreditanstalt musste das Haus vom finanziell angeschlagenen Louis an die Bundesforste verkauft werden und beherbergt heute eine landwirtschaftliche Fachschule mit exzellentem Ruf und guter Ausbildung. 

Den größten Baueifer entwickelte der Grundherr Rothschild in seinen geliebten Besitzungen in der Langau, am Fuße des Dürrensteins. Dort entstand auf einer kleinen Erhebung das große Jagdhaus (siehe oben), in dem sich die Familie während der Sommerferien aufhielt. Angeschlossen waren Gästehäuser und Wirtschaftsgebäude. Weiter hinein ins Tal ließ Baron Rothschild viele Holzhäuser für die Forstbediensteten bauen, die heute noch das Landschaftsbild zwischen Langau und Neuhaus prägen und teilweise als Ferienwohnungen genutzt werden.

Die Rothschilds und ihre Kunstsammlungen

Ein wenig erfreuliches Kapitel in der Geschichte der historischen Auseinandersetzung mit der Familie Rothschild ist die Enteignung der immensen Kunstwerke in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich. Wie bereits erwähnt, hatte Alphonse die Kunstsammlung seines Onkels geerbt und auch Louis war als Kunstsammler bekannt. Beide Brüder hatten regen Kontakt zu Museumsdirektoren und Kunsthistorikern. 

Der Rothschildsche Informationsdienst funktionierte, wie seit 150 Jahren, auch 1938 hervorragend und schickte aus Frankreich Warnungen über die bevorstehende Annexion Österreichs durch das deutsche Reich. Alphonse reagierte sofort und bereitete neben der Flucht seiner Familie auch den Transfer seiner Kunstwerke vor. Schwierigkeiten ergaben sich dabei durch das im Jahr 1923 in Kraft getretene Ausfuhrverbotsgesetz, das verhindern sollte, dass österreichisches Kulturgut außer Landes gebracht würde. Sollte es eine behördliche Erlaubnis geben, konnte der Staat aber 10 % des Werts einfordern. Die zuständigen Experten beurteilten die Ausfuhr der Sammlung als geringen Verlust für Österreich und Alphonse bekam nach der Übereignung von 39 Objekten an staatliche Stellen die Ausfuhrgenehmigung. 
Doch im letzten Moment machte der Einmarsch der Deutschen alle Versuche zunichte und Alphonse hatte Mühe das Leben seiner Familie zu retten. Die schon verpackte Sammlung wurde einbehalten, die beiden Rothschild-Palais versiegelt und die Kunstsammlungen beider Brüder in das Zentraldepot des Museums der Stadt Wien gebracht, wo eine genaue Inventarisierung erfolgte. 
Ein Großteil dieser Kunstobjekte wurde 1941 im Dorotheum in einer Versteigerung von Silber- und Porzellangegenständen angeboten. 
Die Inventarliste zeigte dabei allein aus den Häusern Waidhofen, Atschreith und Stein-bach 184 Kunstwerke, von denen einige Emerich Schaffran in seiner Beschreibung des Schlosses Waidhofen aus dem Jahr 1924 nennt. So waren z. B. Gemälde von Frans Hals, Boucher und diversen niederländischen Malern vorhanden und viele wertvolle Fayencen, Uhren usw. 

Nachdem Hitler durch einen Spezialisten die erste Auswahl für sein geplantes Führer-museum in Linz hatte treffen lassen, setzte bei den übrigen österreichischen Museen ein ziemlich unwürdiges Gerangel um die restliche Sammlung ein, die auf diese Weise weiträumig verstreut wurde. Der einsetzende Krieg ließ die Objekte jedoch schon bald in Stollen, Klöstern und anderen sicheren Zufluchtsstätten verschwinden. 

Durch die genaue Inventarisierung der Sammlungen war es bereits 1946 möglich, fast alle Werke wieder zu finden und einen Restituierungsantrag durch die Familie Rothschild zu stellen. Doch da die handelnden Protagonisten bei den zuständigen staatlichen Stellen kaum ausgewechselt worden waren, wurde auch jetzt das Ausfuhrverbotsgesetz als Druckmittel benutzt, um wenigstens einen Teil der Kunstobjekte in österreichischen Museen zu behalten. Es muss festgestellt werden, dass diese Verhandlungen ein wenig rühmliches Bild von Bundesdenkmalamt und Museumslandschaft in dieser Periode zeigen. 1
Über mehrere Jahre mussten Louis de Rothschild und Clarice, die Witwe von Alphonse um die Ausfuhr ihrer Sammlungen kämpfen und dabei große Verluste hinnehmen. Dies erscheint aus heutiger Sicht umso tragischer, da gerade diese Familie sich als überaus wohltätig und großzügig gezeigt hatte und den Staat nicht nur einmal mit seinen Finanz-mitteln unterstützt hatte. 
Erst durch eine Initiative von Bundesbildungsministerin Gehrer Ende der neunziger Jahre wurde es möglich, zurückgebliebene Objekte wieder an die Familie Rothschild und andere Geschädigte zu restituieren und damit ein unerfreuliches Kapitel der Geschichte abzuschließen. 16) 

Das soziale Engagement der Familie Rothschild

Ähnlich wie das Christentum legt auch die jüdische Religion großen Wert auf die so genannte „Zedeka“, die Mildtätigkeit. Die Rothschilds waren sich ihrer Verantwortung, die ihr Vermögen mit sich brachte immer in besonderem Maße bewusst und engagierten sich vielfältig als Mäzene im Kunstbereich und als soziale Wohltäter. Neben großen Krankenhausprojekten in Wien bekamen auch die Bewohner im Mostviertel die ungeheure Großzügigkeit der Familie zu spüren. 

Wie bereits erwähnt 
hatten die Forst- und Sägewerksarbeiter eigene Pensionskassen und eine geregelte 
Altersversorgung. 

Zusätzlich ließ Baronin Bettina in Göstling ein Kinderheim errichten, in dem die Kinder der Forstarbeiter aus dem unzugänglichen Rothwaldgebiet untergebracht wurden und ihnen damit ein geregelter Schulbesuch ermöglicht wurde. Neben der Schule lernten die Kinder handwerkliche Arbeiten, die sie für ihr späteres Leben dringend brauchen konnten. In Gaming entstand ein Heim, in dem alte, arbeitsunfähige Forstarbeiter ihren Lebensabend verbringen konnten. Auch viele Einzelpersonen erhielten Zuwendungen für Ausbildung oder als Unterstützung und so verwundert es kaum, dass im Gebiet der Langau noch heute respektvoll und dankbar der Familie Rothschild gedacht wird. 17) 

Auch in Waidhofen zeigten die Rothschilds sich stets spendabel. Viele Meldungen in den Ratsprotokollen und im Boten von der Ybbs belegen die reichen Spenden für Magistrat und Bevölkerung. 

26. März 1892:
 Baron Rothschild spendet 500 Gulden zur Verteilung an die Stadtarmen anlässlich des Todes seiner Frau Bettina. (In Wien spendete er 500.000 Gulden für den Bau eines Krankenhauses für Krebskranke) 
8. Juli 1893: Albert von Rothschild spendet 1000 Gulden für die Armen der Stadt 
18. Februar 1911: Der Bote von der Ybbs meldet den Tod von Baron Rothschild und seine testamentarische Verfügung 3000 Kronen für die Armen der Stadt zu spenden. 

Das große Interesse an technischen Neuerungen und fortschrittlichen Lösungen für das Gemeinwohl machte Baron Albert auch zum freigiebigen Spender für infrastrukturelle Maßnahmen der Stadt. 

13. August 1891: Die Stadt erhält 800 Gulden für die Herstellung der Kanäle am Schwarzbach 
8. Juni 1895: Bürgermeister Plenker bedankt sich bei der Spatenstichfeier für die Ybbstalbahn bei den Gönnern und Geldgebern des Großprojekts, zu denen auch Baron Rothschild gehört. 
22. Mai 1896: Baron Albert spendet 25.000 Gulden für Kanalisierungsarbeiten 
28. August 1899: Für den Bau eines Schlachthauses spendet die Familie 10.0000 Gulden 

Auch sein Sohn Louis führte die Familientradition weiter und zeigte sich im sozialen Bereich großzügig. In den durch den 1. Weltkrieg verursachten schrecklichen Hungerjahren 1917 und 1918 trug Baron Louis immer wieder durch Spenden dazu bei, das Leid der Bevölkerung zu mildern. Dabei fällt auf, dass die Familie stets nur für die Armenfürsorge oder infrastrukturelle Maßnahmen, die allen zugute kamen, spendete. Organisationen oder Vereine mit politischem Hintergrund kamen nicht in den Genuss 
der Spendenfreudigkeit. 

17. Februar 1917: Baron Rothschild spendet 500 Kronen für die Schulsuppe 
5. Januar 1918: Louis de Rothschild spendet 30 Kronen für die Suppenanstalt 
30. März 1918: Trotz antisemitischer Hetzschriften, deren sich auch der Bote von der Ybbs nicht enthalten wollte, spenden die Rothschilds für soziale Belange. 
20. April 1918: Die Rothschildsche Forstdirektion spendet 500 Kronen für das Frühstück an Schulen. 

Auch gegenüber Vereinen zeigte sich Baron Rothschild großzügig. So übernahm er z. B. 1914 gemeinsam mit Erzherzog Leopold Salvator den Ehrenschutz für das Freischießen zum 400 jährigen Jubiläum der Feuerschützengesellschaft 1514 in Waidhofen. Dass die Spendengelder zu dieser Zeit nicht mehr so reichlich flossen, wie 20 Jahr zuvor mag an der angespannten finanziellen Situation der Rothschildschen Unternehmen in Österreich nach dem Untergang der Habsburgermonarchie liegen. Louis musste sein Finanzimperium durch schwere Zeiten lotsen, ohne genau zu wissen, wie sich der Rumpfstaat Österreich entwickeln würde. 

Wer heute den Namen Rothschild in Presseberichten oder Fernsehsendungen hört, denkt zunächst vermutlich an Wein und Bankgeschäfte. Doch nach einer genaueren Beschäftigung mit der Geschichte der weit verzweigten Familie und ihres unglaublichen Aufstiegs innerhalb weniger Generationen kann man sich der Faszination dieser Familie nicht mehr entziehen. Ihr weltumspannendes Imperium, die vernetzten Familienstrukturen und ihre gesellschaftliche Bedeutung machen die Rothschilds noch heute zu einer der bedeutendsten Familien der Welt. 
Doch nicht nur in der großen Weltgeschichte spielten sie eine bedeutende Rolle, auch in kleinen Strukturen, wie den niederösterreichischen Besitzungen zeigten sie historisches Format. Bis in unsere Tage ist die Familie Rothschild, ein zwar aus der Distanz wahrge-nommener aber nicht weg zu denkender Gegenstand der Verehrung im Mostviertel. Ihre sozialen Werke und Bauten begegnen uns in diesem Landstrich immer wieder und erlegen uns die Pflicht auf, einen Teil dazu bei zu tragen, das Unrecht, das der Familie zugefügt wurde, wenigstens zu dokumentieren, wo eine Wiedergutmachung nur schwer möglich ist. 

Anmerkungen: 
1) Morton Frederic; Die Rothschilds; S. 92 
2) Ebenda, S. 209 
3) Bote von der Ybbs August 1893, S. 
4) Richter Friedrich; Die Ehrenbürger der Stadt Waidhofen an der Ybbs, S. 51 
5) Morton Frederic; Die Rothschilds; S. 243-245 
6) Ebenda S. 250-253 
7) Egger Leopoldine, Vom Urwald zum Siedlungsraum, S. 97 
8) Ebenda, S.46 
9) Prasch Ludwig; Die Domänen Gaming und Waidhofen an der Ybbs 
10) Buchinger Günther; Zur Baugeschichte der Burg Waidhofen an der Ybbs, S.13 
11) Ebenda, S. 20. Ein Zeitgenosse kommentiert das neue Aussehen des Turmes als passend für eine Theaterdekoration. Man sieht, dass auch die damalige Veränderung bereits der Kritik unterlag. 
12) Rath Jürgen; Burgenrestaurierungen und Schlossarchitektur im Werk Friedrich von Schmidts; S. 17, 18 http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.s/s275884.htm 
13) Krois Isabella; Die Restitution von Kunst- und Kulturgütern am Fall der Familie Rothschild; S. 58 
14) Schaffran Emerich; Waidhofen an der Ybbs, S. 65 
15) Trenkler Thomas; Der Fall Rothschild; S. 121-134 
16) Ebenda, S. 14, 15 und Krois Isabella, S. 98 
17) Egger Leopoldine, S. 86 


Zum Download

Die Rothschilds
Plenker