Erste Stolpersteine in Waidhofen

Schülerin Eria Haberfehlner initiierte die Verlegung der ersten Stolpersteine

Manchmal beginnt etwas Großes mit einem kleinen Moment. Für Eria Haberfehlner, Schülerin des Waidhofner Bundesrealgymnasiums, war es eine Reise nach Amsterdam. Dort begegnete sie gemeinsam mit ihrer Familie zum ersten Mal den Stolpersteinen. Kleine Messingtafeln im Boden, die an Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden.

Diese Begegnung ließ sie nicht mehr los und sie wollte Stolpersteine auch für Waidhofen. Aus Interesse wurde der Wunsch, selbst etwas zu tun. „Ich begann zu recherchieren und erfuhr, dass auch in Steyr bereits Stolpersteine verlegt waren. So nahm ich Kontakt mit Personen aus Steyr auf, die mir diesbezüglich sehr weitergeholfen haben und arbeitete Schritt für Schritt an meiner Idee. Mein Ziel war es, auch in Waidhofen, jener Stadt, in der ich zur Schule gehe, diesen besonderen Schicksalen einen sichtbaren Platz zu geben“, erklärte Eria Haberfehlner und machte ihr Vorhaben gleichzeitig zur Maturarbeit.

Die feierliche Verlegung der ersten Stolpersteine am 17. September 2026 bildete den Abschluss dieser Arbeit. Doch das Projekt reicht weit über eine schulische Leistung hinaus. Es schreibt die Namen und Geschichten jener Menschen zurück in das Gedächtnis der Stadt, die einst Teil von Waidhofen waren und durch das nationalsozialistische Regime verfolgt und getötet wurden. Am Oberen Stadtplatz 10, wo diese Menschen einst lebten, erinnern nun Stolpersteine an ihre Namen, ihre Lebenswege und ihr Schicksal: Es war die Adresse von Hermine Weisz und ihrem Mann Alexander. Erna Knobloch war eines von vier Kindern und wurde gemeinsam mit ihrer Mutter 1941 in das Ghetto Opole in Polen deportiert. Beide wurden später ermordet.

Bürgermeister Werner Krammer bedankte sich für das außergewöhnliche Engagement der Schülerin: „Das ist ein besonderer und bewegender Tag für Waidhofen. Die Geschichte unsere Stadt kennt viele helle Kapitel, aber auch dunkle Seiten. Zu einer ehrlichen Erinnerung gehört es, sich beiden zuzuwenden. Diese Stolpersteine erinnern uns nicht nur an das, was geschehen ist. Sie richten auch einen Appell an uns alle: aufmerksam zu bleiben, Haltung zu zeigen und Ausgrenzung niemals gleichgültig hinzunehmen.“